Mittwoch, 11. April 2012

Menschen sind schon seltsame Geschöpfe

Wisst ihr, fast immer wollen mich die meisten Leute dazu bringen, dass ich mich für meine Ernährung rechtfertigen soll. Aber wehe ich würde einen kritischen Kommentar zum Steak auf ihrem Teller machen.

Gestern hatte ich wieder ein Erlebnis, das ich seltsam paradox finde.
Meine Kollegin erzählte mir, dass sie am Osterwochenende vor der Haustüre eine kleine Taube mit gebrochenem Flügel fand und sich durch Hinz und Kunz telefoniert hat um dann die Tierrettung zu rufen, dass die sich um die Taube kümmern. Da stand dann im Raum, dass sie eventuell eingeschläfert wird, wenn ihr nicht geholfen werden kann.
Meine Kollegin hat das furchtbar traurig gemacht und das arme Täubchen tut ihr unheimlich Leid.

Ich find's toll, dass sie das Tier nicht einfach liegen hat lassen und ihr Bestes getan hat um zu helfen.

Jetzt kommt das Paradoxe:
Die kleine Taube berührt tief das Herz und lässt auch die Gedanken nicht los.
Was ist denn mit Ferkeln? Kälbern? Schweine, Rinder, Hasen? Warum isst man diese Tiere, ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, dass die dafür sterben müssen? Dass nur die Tatsache, dass der Mensch sie essen will, zum Tod führen? Dass viele Tiere nur deshalb auf die Welt kommen um ein kurzes, qualvolles Leben zu führen, das mit einem noch qualvollerem, schrecklichen Tod endet?

Warum bin dann ICH diejenige, die dazu gebracht werden soll, sich für die Ernährung zu rechtfertigen? Egal ob Taube, Schwein, Huhn oder Rind - ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass diese Tier nicht für mich und meinen Teller sterben oder leiden müssen. Aber hey - ich bin ja "die Komische" ...

Manchmal möchte ich Menschen einfach packen, schütteln und schreien "wach doch endlich auf" - aber damit erreiche ich einfach überhaupt nichts. Wobei - vielleicht werde ich dann als "militanter, missionarischer Veganer" abgestempelt und das bin ich nun wirklich nicht.

(Ich möchte dazusagen, dass die Kollegin mit der Taube ne ganz Liebe ist, dir mir zum Geburtstag ein "Alnatura"-Paket geschenkt hat und Stunden damit zugebracht hat, zu schauen,ob ich das esse oder nicht und sich auch sonst wirklich viele Gedanken macht, ob ich z.B. diese oder jene Süßigkeiten essen würde oder nicht.
Die Geschichte von ihr war einfach der Anlass um mal wieder schön den Kopf zu schütteln über den Großteil der Menschen die einfach ohne Nachdenken essen)


Nunja - Ohren auf Durchzug stellen und den lieben Kollegen (die nicht so tolerant sind) einen Kuchen backen.
Und die Kommentare genießen: "Der ist ja soooooooo lecker, hast du jetzt für uns unvegan gebacken?" - "Nein, der Kuchen ist absolut vegan" - "Das kann ja gar nicht sein, der ist ja so lecker"
Einfach herrlich!

Kommentare:

  1. Huhu :) Ich finde, dass besonders Dein letzter Abschnitt die richtige Denk und Vorgehensweise ist. Ich glaube nämlich - erfahrungsgemäß - auch, dass theoretische Erklärungen sehr wenig bewirken und erst die praktischen Beispiele wirklich greifbar sind. Ich kann oft auch nicht verstehen, wieso Menschen sich Hund, Katze und Co. "halten" und nebenher Schwein und Kuh auf den Teller packen.. Aber: Ganz egal wie andere Leute über das Thema denken: Es ist schön, dass DU für dich entschieden hast so zu leben wie Du lebst und somit viel Tierleid verhinderst :)
    LG Jessi

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  2. Hey,
    ich verstehe deine Gedanken zu gut. Mir geht es ähnlich, ständig sehe ich, wie Menschen Tiere schützen und retten wollen, Ungerechtigkeiten anprangern, die Tieren widerfahren und dann in ihr Schnitzel beißen. Süße Kälber streicheln und dann Wurst essen etc.
    Ich bin dann auch manchmal unfassbar, wie paradox das ist.
    ABER: Vielleicht sind diese Gedanken falsch. Wenn jemand Robbenjagd anprangert, aber Fleisch aus Massentierhaltung isst, sollte man eventuell froh sein, dass dieser Mensch immerhin ersteres falsch findet. Er sieht, dass eine Grenze im Verhalten gegenüber Tieren überschritten wurde, das heißt er ist nicht vollkommen ignorant und abgestumpft und fähig, Unrecht zu erkennen. Verstehst du was ich meine?
    Andererseits fällt mir dieses positive Denken oft sehr schwer, wenn ich sehe, was alles noch falsch läuft.

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  3. super sind auch die leute, die im park die enten füttern und dann anschließend beim chinesen ente süßsauer bestellen. ist halt die berühmte doppelmoral. ich hab ja die hoffnung, dass so leute wenn sie oft genug mit dieser kontroverse konfrontiert werden, sich irgendwann ändern, das potential scheint ja vorhanden zu sein.

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  4. Besonders schlimm finde ich es, wenn sich jemand aktiv für Tiere einsetzt z.B. ehrenamtlich im Tierheim arbeitet, dort auch viel Zeit verbringt und dann aber ohne großes Nachdenken täglich Fleisch auf dem Teller landet "weils halt schmeckt".
    Aber selbst wenn ich die Leute wirklich schütteln könnte (nicht nur in Gedanken), damit wird man herzlich wenig erreichen...
    Unaufdringlich aufklären und überzeugen ist die Devise...

    Prinzessin & Maus
    Ihr habt auf jeden Fall Recht.
    Ich hoffe einfach, dass das Thema vegane Ernährung noch viel bekannter gemacht wird, dass viele Menschen erfahren, dass man da auf nichts verzichten muss (im Gegenteil) und noch ganz viele Menschen umsteigen auf eine tierfreie Ernährung

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  5. So sind die Menschen einfach. Leider.
    Ich denke da das verspeiste Tier anonym ist, können sie es essen. Wenn sie es zuvor umherspringen hätten sehen, sähe es anders aus. Die nicht anonyme lebendige Taube ist einfach "realer" als die Scheibe Fleisch ausm Metzger.

    Überzeugen durch leckere Gerichte und Vorleben eines veganen Lebensstils bringen viel mehr als Aufklärung durch direkte Worte, was die Leute eh nicht hören wollen.

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  6. Leg die gleiche Taube, gerupft und abgepackt vor ihre Tür und sie landet in ihrer Pfanne.
    Genau wie bei uns alle entsetzt reagieren, wenn sie hören, dass Hunde oder Affen in anderen Ländern verspeist werden. Wo ist der Unterschied? Es gibt keinen,

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